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Die geheimnisvollen Rauhnächte
Tauchen Sie ein in die mystische Zeit zwischen den Jahren. Die Rauhnächte sind eine besondere Zeit voller Sagen und Bräuche. Lassen Sie sich von der Magie dieser dunklen und stillen Nächte verzaubern und entdecken Sie die Geheimnisse, die sie bergen.
Die Rauhnächte laden dazu ein, innzuhalten.
Die Bedeutung der 12 Nächte
In der Tradition stehen die Nächte oft für die folgenden Monate:
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25. Dezember: Januar (Beginn, Neubeginn)
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26. Dezember: Februar (Reinigung)
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27. Dezember: März (Aufbruch)
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und so fort, bis zur zwölften Nacht am 6. Januar (Heilige Drei Könige), die das ganze nächste Jahr besiegelt.
In der Tradition der Rauhnächte (meist die 12 Nächte zwischen Weihnachten und Epiphanias) geht es um:
-Altes loslassen durch Räuchern
-Das Heim vor Geistern und der wilden Jagd bewahren
-Jede Nacht steht symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres.
Das Echo der Wilden Jagd:
Eine Geschichte über die Rauhnächte
Draußen vor dem alten Bauernhaus peitschte der Wind den Schnee gegen die schweren Fensterläden. Drinnen, in der gemütlichen Stube, knackte das Holz im Kamin. Es war der Abend des 21. Dezembers – die Thomasnacht. Der Beginn der Zeit zwischen den Jahren.
Lukas saß am Tisch und beobachtete seine Großmutter, die mit bedächtigen Bewegungen ein Bündel aus getrocknetem Beifuß, Wacholder und Salbei schnürte.„Oma, warum machen wir das jedes Jahr?“, fragte Lukas leise. „Es ist doch nur Rauch.“
Großmutter hielt inne und sah ihn über den Rand ihrer Brille hinweg an. Ihre Augen schienen im Kerzenschein zu funkeln wie altes Bernstein. „Es ist mehr als nur Rauch, mein Junge. In diesen zwölf Nächten steht das Tor zur Anderswelt einen Spaltbreit offen. Die Zeit steht still, und das Schicksal des nächsten Jahres wird jetzt gewoben.“
Die Zeit der Geister
Sie erklärte ihm, dass die Rauhnächte die Differenz zwischen dem Mondjahr und dem Sonnenjahr ausglichen. Elf Tage und zwölf Nächte, die eigentlich gar nicht existierten. Eine Zeit der Stille, in der man keine Wäsche waschen durfte – besonders keine weiße Bettwäsche –, damit sich die Wilde Jagd nicht darin verfing.
„Die Wilde Jagd?“, hakte Lukas nach.
„Wotan und sein Gefolge“, flüsterte sie. „Sie reiten auf Sturmrossen über den Himmel. Wer ihnen im Weg steht, wird mitgerissen. Deshalb räuchern wir das Haus, um Frieden zu stiften und das Dunkle draußen zu halten.“
Die Begegnung im Stall
Später am Abend, als die Großmutter bereits schlief, schlich Lukas hinaus in den Stall. Er wollte wissen, ob die alte Sage stimmte, dass die Tiere in der Christnacht – der wichtigsten der Rauhnächte – die menschliche Sprache beherrschten.
Die Luft war klirrend kalt. Im Stall duftete es nach Heu und dem warmen Atem der Rinder. Lukas setzte sich in eine dunkle Ecke und wartete. Plötzlich hörte er ein tiefes Grollen, das nicht vom Wind kam. Es war, als würde die Erde selbst atmen.
Er blickte aus der Stalltür nach oben. Der Himmel war pechschwarz, doch die Sterne wirkten so nah, als könne man sie berühren. In diesem Moment sah er sie: Schatten, die schneller als der Wind über den Mond rasten. Ein fernes Hundegebell, das wie das Klagen des Sturms klang.
Das Herz pochte ihm bis zum Hals. Er erinnerte sich an die Worte seiner Großmutter: „In dieser Zeit begegnest du nicht nur den Geistern, sondern auch dir selbst.“
Die Einkehr
Lukas begriff, dass die Rauhnächte keine Zeit der Angst waren, sondern eine Zeit der Einkehr. Jede Nacht stand für einen Monat des kommenden Jahres. Er schloss die Augen und schickte einen Wunsch in die Dunkelheit – einen Wunsch nach Schutz für seine Familie und Mut für seine eigenen Wege.
Als er zurück ins Haus ging, brannte das Räucherstövchen noch immer ganz schwach. Der Duft von Wacholder hing wie ein schützender Schleier im Raum. Er legte sich in sein Bett, und während draußen die Wilde Jagd weiterzog, schlief er so tief und fest wie schon lange nicht mehr. Er wusste nun: Wer die Stille ehrt, braucht die Dunkelheit nicht zu fürchten.